Die Kreativtherapie öffnet einen Moment, der jenseits der Sprache und alltäglichen Kommunikation erlebbar wird. Wenn wir einen Pinsel über Papier gleiten lassen, eine Bewegung zur Stimmung der Musik finden, dann lassen wir uns auf eine Qualität ein, die weniger vom Verstand gelenkt, als vielmehr von Innen heraus entsteht. In diesem Inneren existieren ständig und stets Stimmungen und Anteile, die wir im Alltagsbewusstsein gut ausblenden können. Die Kreativtherapie verschafft einen Zugang zu unserer unbewussten und vielseitigen Innenwelt. Ein neuer Aspekt drückt sich aus, etwas, das vielleicht vorbewusst, also kurz vor der Klarheit ist, bekommt einen Platz. Ein Teil von uns, den wir vielleicht leise gestellt haben, bekommt einen Ausdruck. Es ist eine heilsame Erfahrung, wenn wir uns komplexer wahrnehmen dürfen, uns Zeit nehmen für all die Facetten, die uns als Mensch ausmachen.
Wenn wir belastet sind, kann es passieren, dass wir all unsere Energie auf das Problem lenken. Das ist sehr nachvollziehbar und in unserer Biologie angelegt- wir suchen eine Lösung um wieder inneres Gleichgewicht herzustellen. Letztendlich ist dieser Vorgang selbst ein kreativer Prozess: wir erkennen ein Problem, suchen Auswege, vertiefen uns und können uns dabei verstricken. Dann ist es gut, Abstand zu nehmen, etwas ganz anderes zu tun und wie aus dem Nichts erscheint bei Zeiten eine Lösung oder Akzeptanz. In der Fachsprache nennt man diese Phase Illumination- es geht einem ein Licht auf.
Neben dem Momentum der Erkenntnis und der neuen Aufmerksamkeit für leiser gestellte Anteile in uns, erfahren wir, dass es eine Vielzahl an Möglichkeiten gibt und das wir eine Wahl haben. Wir nehmen wieder mehr Weite in uns wahr und erleben uns als selbstwirksam. Kreativer Ausdruck kann sich als Ressource im Alltag etablieren und führt letztendlich gleichsam zu freieren Gedanken, auch wenn wir gerade nicht malen, schreiben oder uns bewegen. Unsere beiden Hirnhälften warten nur darauf, ausgewogener angesprochen zu werden, unser Gefühlswelt wartet darauf, einen würdigen Platz zu bekommen und unser Körper sehnt sich nach vielfältiger Bewegung.
Ich verstehe diese Erfahrungen als achtsamen Übungsraum, in dem wir spielerisch und konfliktfrei Neues ausprobieren und uns besser kennenlernen, bevor wir uns in der Welt behaupten. Die Kraft einer guten und korrigierenden Erfahrung macht Lust auf mehr gute Erfahrungen, dadurch wird ein gesunder Kreislauf angeregt. Schmerzliche Erfahrungen, die in uns dahin wabern, weil sie noch nicht wirklich zu einem Abschluss gekommen sind, können nachbetrauert und integriert werden, ein angespannter Körper kann wieder ins Gleichgewicht kommen. Der Begriff der Ganzheitlichkeit wird manchmal fragwürdig verwendet und doch fällt mir kein treffenderes Wort ein, drückt es doch im Kern eine einfache Tatsache aus: wir sind mehr als die Summe unserer Teile.
Sie benötigen für die Kreativtherapie keine Vorerfahrung oder ein bestimmtes Talent. Der Raum ist wertfrei und ohne Leistungsanspruch. Wenn Ihr Ausdruck in der Vergangenheit bewertet wurde und Ihnen der Zugang schwer fällt, finden wir gemeinsam das Medium, das neue Versuche zulässt. Auch im körperlichen Ausdruck durch Bewegung oder Tanz gibt es in uns zuweilen Scham und Zurückhaltung. Es gibt wunderbare Methoden, die ganz kleinschrittig und behutsam ein neues Körpergefühl fördern. Wir beginnen dort, wo Sie sich sicher fühlen.
Ich freue mich auf das ein- und wieder auftauchen mit Ihnen.