Wir alle sind eingebunden in Systeme. Wenn wir einmal von oben hinein zoomen, wird es deutlich: im weiten Weltraum ist unser Platz in diesem Sonnensystem auf der Erde, wir existieren in einem Ökosystem, auf einem Kontinent davon in einem Land, einer Natur und in einer Gesellschaft. Hier leben wir in Familien, Gemeinschaften, als Paar- erleben uns in Freundschaften, Organisationen, beruflichen Kontexten. Darin sind wir mit unseren verschiedenen Anteilen, die auch ein System bilden in unserem körperlichen Organismus anwesend mit allen Organen bis in die kleinste Zellebene. Nichts existiert für sich allein und alles kommuniziert und reagiert bewusst oder unbewusst, willkürlich oder unwillkürlich miteinander.
Im Alltag ist die Verbundenheit und Co-Existenz nicht immer wahrnehmbar, die Komplexität würde uns überfordern, wir betrachten und verarbeiten Zustände isoliert und vereinfacht. Dies ist ganz natürlich, können wir doch die ganze Fülle nicht immer parat haben, spüren und einbeziehen. Oft braucht es im Alltäglichen einen fokussierten Blick oder eine konzentrierte Handlung, so wie unser Auge etwas scharf stellt um es zu sehen und dabei die Umgebung unscharf stellt. Die Umgebung verschwindet dabei aber nicht. So filtern wir nach einfachen Prinzipien und Relevanz wie wichtig und weniger wichtig, angenehm oder unangenehm, sicher oder unsicher. Wie wir filtern ist ganz individuell und kontextabhängig und hängt eng mit unserer Biografie, mit gesellschaftlichen Normen und der körperlichen Verfassung zusammen.
Befinden wir uns dabei im Gleichgewicht, fühlen wir uns wohl, sicher, eingebunden und gesund. Ein Ungleichgewicht entsteht, wenn ein oder mehrere Aspekte des Systems überbeansprucht oder unterrepräsentiert sind, wenn wir länger in der Über- oder Untererregung sind. So wie unser Ökosystem empfindlich auf zu viel CO2 reagiert und aus dem Gleichgewicht gerät, reagieren wir im Kleinen auf Disbalance mit Stress und fühlen uns in Folge nicht mehr wohl.
Stellen wir unseren Blick nun scharf auf das menschliche Miteinander, wird vielleicht deutlich, wie sehr wir in Wechselwirkung miteinander leben. Eine Beziehung verläuft nicht linear von A zu B, wir reagieren “zurück”, worauf wieder eine Reaktion folgt und es entsteht ein dichtes Geflecht. Auch in uns selbst findet eine Wechselwirkung durch verschiedene Persönlichkeitsanteile und Standpunkte statt. Es kann passieren, dass wir in diesem Prozess ein Problem stark fokussieren und vergessen, dass die Umgebung, die wir unscharf gestellt haben, noch existiert. Man spricht dann von der s.g. Problemtrance. Ein Aspekt wird als Ursache für alles empfunden. Kennen Sie innere oder ausgesprochene Sätze wie: “immer muss ich alles allein machen”? Wir gehen automatisch in dieser Überzeugung durch das Leben und finden prompt die Bestätigung in unseren Beziehungen oder Arbeitskontexten. Es gelingt uns nicht, auch die Situationen zu erkennen, in denen wir Unterstützung erfahren oder die Möglichkeit zu nutzen, um Hilfe zu bitten.
Die Systemische Beratung/ Therapie hilft uns, den Blick wieder weicher, weiter werden zu lassen und somit die Anzahl an Handlungs- und Erfahrungsmöglichkeiten im Hier und Jetzt zu vergrößern. Wir forschen also nicht weiter am Problem, sondern nutzen den Raum der Lösungen. Dies geschieht durch feine Fragen und das Einbeziehen körperlicher Sensationen. Sie selbst sind Expert*in für Ihre Innenwelt und Ihr einzigartiges Beziehungswesen und so darf ich Sie dabei begleiten, Ihre eigene kreative Vorstellungskraft anzuregen. Indem wir eine andere Position einnehmen oder uns in andere hineinversetzen, erweitern wir den eigenen Horizont und können in Folge bewusster einen guten, selbst gewählten Platz einnehmen und im eigenen Verantwortungsbereich stehen. Verändert sich eine Variable im System hat das eine Wechselwirkung, wie bei einem Mobilé, das wieder ins Gleichgewicht pendelt. Dabei entsteht oft die Verbundenheit mit uns selbst, mit unseren Nächsten, die wir in der Isolation der Problembewältigung nicht spüren können.
Ich freue mich auf diesen gemeinsamen und kreativen Raum der Möglichkeiten!